Hallo Dominik, danke das du dir Zeit genommen hast für unser Interview. Und ich würde sagen wir fangen einfach ganz entspannt an, indem wir Menschdefekt vorstellen. Ruhrschall: Also wer verbirgt sich denn hinter Menschdefekt? Und wie sind die Aufgaben verteilt? Dom: Menschdefekt sind Fredrik Croona und meine Wenigkeit, Dominik Ridder. Fredrik ist verantwortlich für sämtliche Lyrics und Vocals. Ich selbst kümmere mich um Songwriting, Sounddesign und Synths. Außerdem in meiner Zuständigkeit liegen die Gestaltung der Homepage, des MySpace Profils sowie des Artworks der Flyer und CD-Cover. 2009 ist Fredrik in das Projekt eingestiegen und lebt in Göteborg. Ruhrschall: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit auf dieser Distanz? Dom: Wir stehen quasi täglich im direkten Kontakt und nutzen das Medium Internet zum Austausch unserer Arbeiten. Da für uns von Anfang an dafür entschieden haben als reines Studioprojekt zu fungieren, ist die Problematik der Organisation von Live-Gigs für uns erstmal kein Thema. Ruhrschall: Nun, dank moderner Kommunikationsmittel ist es sicher einfacher geworden Kontakt zu halten. Wie wichtig ist das Medium MySpace für Euch? Dom: MySpace stellt für uns die wichtigste Plattform dar, um den Kontakt zu Fans und DJ's zu halten und ist außerdem die beste Möglichkeit schnell und einfach viele Menschen zu erreichen, die Interesse und Spaß an unserer Musik haben. Massenweise "Freundschaftsanfragen", Kommentare und Messages bestätigen dies immer wieder. Es ist uns natürlich sehr wichtig von den Fans ein Feedback zu bekommen und wir freuen uns über jede positive oder negative Kritik! Ruhrschall: Menschdefekt existiert ja schon seit 2004. Wie bist Du eigentlich darauf gekommen Musik zu machen? Dom: Ich bewege mich mittlerweile seit fast 15 Jahren in der schwarzen Szene. Inspiriert von diversen Electro/Industrial Acts wollte ich Musik machen, die die Leute zum tanzen bewegt und fing 2004 an meine ersten Songs zu schreiben. Ich hatte damals absolut keinen Schimmer vom Musik machen. Es war zu Anfang ein einziges furchtbar klingendes Experiment. Mit wachsender Erfahrung hat sich Menschdefekt weiterentwickelt und das spiegelt sich unter anderem darin wieder, dass unsere Musik aktuell in internationalen Clubs, wie zum Beispiel in den USA, Griechenland, Großbritannien, Holland und Schweden aufgelegt wird und die Tanzflächen füllt. Ruhrschall: Musik wird ja zu gerne in Schubladen unterteilt. Wie würdest Du euren Musikstil beschreiben? Und wie hat er sich im Laufe der Zeit verändert? Dom: Ich hasse Schubladen. Insofern fällt es mir schwer, unseren Stil zu beschreiben. Ich würde einfach sagen wir machen tanzbaren Electro mit eingängigen Melodien, gesellschaftskritischen Lyrics und aggressiven, verzerrten Vocals. Im Vergleich zu früher sind unsere Songs heute strukturierter, die Melodien ausgereifter und die Produktion um Längen besser. Eine weitere bedeutende Veränderung gab es ja erst im Februar diesen Jahres mit dem Eintritt von Fredrik Croona und den erstmaligen Einsatz von Vocals. Ruhrschall: Wie sieht Eure Studio Arbeit aus? Was steht zuerst? Die Musik oder der Text? Dom: Sehr unterschiedlich. Meist entsteht zuerst die Musik und Fredrik schreibt erst dann Lyrics dazu. Zum Teil bekomme ich aber auch Lyrics von Fredrik und schreibe erst dann den dazu passenden Song. Ich denke wir inspirieren uns da gegenseitig. Wir sind absolut auf einer Wellenlänge, was unter anderem in einer unglaublich schnellen Arbeitsweise resultiert. Unsere aktuelle E.P. "Projekt Tremor" entstand so innerhalb von weniger als 4 Wochen. Ruhrschall: Welche musikalischen Vorbilder habt Ihr? Bzw. gibt es Musiker die Eure Werke beeinflussen? Dom: Ich würde nicht sagen, dass ich bestimmte Vorbilder habe. Sicherlich gibt es aber eine ganze Menge von Musikern, die ich bewundere und deren Sound ich liebe. Dazu zählen unter anderem Suicide Commando, [:SITD:], Agonoize, VNV Nation, unsere Freunde von Stahlnebel vs. Black Selket und auch alte Hasen wie Skinny Puppy oder Leaether Strip. Ich würde sagen dass Menschdefekt nicht nur von irgendwelchen Bands beeinflusst wird - das ist auch ein Prozess der eher unbewusst abläuft. Vielmehr sind wir auch beeinflusst von unserem gesamten alltäglichen oder nicht alltäglichen Umfeld. Du musst nur mal die Glotze einschalten oder raus auf die Straße gehen. Ruhrschall: Gibt es da vielleicht auch einen besonderen Ort oder eine besondere Person der Inspiration für Euch? Dom: Wie gerade schon erwähnt beeinflusst und inspiriert in irgendeiner Form alles täglich Erlebte. Insbesondere meine Verlobte, die beiden Kids und mein direktes freundschaftliches und familiäres Umfeld inspirieren mich im positiven Sinne. Ruhrschall: Eure letzte Veröffentlichung war die streng limitierte Projekt Tremor EP. Wie zufrieden wart Ihr mit der Resonanz auf die EP? Dom: Als Veröffentlichungstermin ist der 01. Mai 2009 angesetzt. Das auf nur 25 Stück limitierte Digipak wurde vor kurzem zur Vorbestellung angeboten und war bereits nach 3 Tagen ausverkauft. Ich finde damit können wir mehr als zufrieden sein. Für alle die kein Exemplar mehr bekommen konnten, werden wir eine Download Version über CDbaby.com anbieten, die ebenfalls die 5 Titel der Limited Edition, allerdings nur 3 anstatt 5 Remixes enthält. Die Remixes sind nicht identisch mit denen der CD. Ruhrschall: Mit was werdet Ihr uns denn als nächstes überraschen? Dom: Momentan ist nichts geplant. Ich persönlich genieße derzeit meinen Urlaub und werde anschließend damit beschäftigt sein, Bücher zu wälzen und für mein Staatsexamen zu büffeln, das sich von Juli bis September zieht. Wir ziehen es vor, ohne Druck und Stress zu arbeiten, denn unter diesen Bedingungen ist es absolut unmöglich kreativ zu sein. Ruhrschall: Ihr seid noch ohne Plattenlabel! Was muss für Euch das geeignete Label mitbringen? Dom: Ein Plattendeal ist für uns nicht oberste Priorität. Es gibt wesentlich wichtigere Dinge. Ruhrschall: In der letzten Zeit wart Ihr auf vielen Compilations wie z.B. Endzeit Bunkertracks Act 4, Darkmeeting Compilation 3 oder Interbreeding X zu finden! Wie wichtig sind für Euch Compilation Beiträge und gibt es da schon neue Anfragen? Dom: Compilations sind eine sehr gute Möglichkeit unser Material möglichst vielen Leuten zu präsentieren und wir freuen uns jederzeit über Anfragen. Wir werden in Kürze mit zwei Tracks auf Interbreeding X (Vol. 2) von BLC vertreten sein und sind in dieser Ausgabe als Showcase Artist im Booklet zu bewundern. Weitere Beiträge sind geplant, es ist aber an dieser Stelle noch etwas zu früh um mehr zu verraten. Ruhrschall: Immer mehr Alben und Compilations werden zum Download angeboten zum Teil auch kostenlos. Wie steht Ihr zu CD Releases als Download oder bleibt für Euch der Silberling das „Non Plus Ultra“? Dom: Wie bereits erwähnt wird es auch eine Download Version von "Projekt Tremor" geben. Wir werden sicher auch in Zukunft Beiträge auf kostenlosen Download-Compilations präsentieren wenn es Anfragen gibt. Das Limited Edition Digipak haben wir zum Selbstkostenpreis von 9 Euro angeboten. Wir haben nicht das Ziel, Geld mit unserer Musik zu verdienen. In unserer Szene ist das ohnehin nicht möglich. Ruhrschall: Auf den Compilation Endzeit Bunker Tracks 4 und Interbreeding X habt Ihr Tracks in Zusammenarbeit mit Stahlnebel veröffentlicht. Ist da in Zukunft noch mehr zu erwarten? Oder sind da noch andere Musiker/ Bands mit denen Ihr gerne mal zusammenarbeiten würdet. Dom: Wir sind grundsätzlich nicht abgeneigt, auch in Zukunft mit anderen Musikern zusammen zu arbeiten und freuen uns immer über derartige Anfragen. Stahlnebel vs. Black Selket sind mit einem Remix von "Flames" auf "Projekt Tremor" vertreten. Aktuell ist in unserem MySpace Player übrigens auch der Song "Armageddon" zu hören, welcher in Zusammenarbeit mit Anamadim (Mexico City) entstanden ist. Ruhrschall: Dürfen wir euch denn auch mal auf einer Bühne sehen oder soll Menschdefekt ein Studioprojekt bleiben? Dom: Wie vorher schon erwähnt versteht sich Menschdefekt als reines Studioprojekt. Ob sich dies in Zukunft einmal ändern wird, kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen aber ich möchte es auch nicht grundsätzlich ausschließen. Ruhrschall: Was ist das Schönste daran Musiker zu sein? Dom: Schampus, Schlitten, Titten, Kokain! Aber mal im Ernst... Es ist einfach ein geiles Gefühl, wenn Dein Sound im Club läuft und Du die Menge dazu tanzen siehst. Das ist für mich der absolute Beweis dafür, dass wir alles richtig gemacht haben! Ruhrschall: Dominik, Du kommst aus Aschaffenburg. Was magst du besonders an dieser Stadt? Dom: Aschaffenburg ist nicht zu groß und nicht zu klein. Ich bin kein Fan von Großstädten und das Leben in einem Kuhkaff ist der Albtraum schlechthin. Trotzdem werde ich die Stadt spätestens im Frühjahr 2010 verlassen, um mit meiner Verlobten und ihren Kids in Nordrhein-Westfalen zusammen zu ziehen. Ruhrschall: Und schon sind wir durch mit den Fragen. Möchtest Du noch ein Schlusswort an unser Leser richten? Dom: Ich möchte allen unseren Fans und den DJ's für die großartige Unterstützung danken. Ohne Euch wären wir niemals so weit gekommen! Allen, die unseren Sound noch nicht kennen, möchte ich ans Herz legen, mal in unsere Musik reinzuhören. Schaut doch mal vorbei auf http://www.myspace.com/psychaotica und gebt uns ein kurzes Feedback! |